Lesen lernen Leseförderung

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Lesen lernen.
Lesen lieben lernen.

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Unterrichten mit dem Lesebaum

 
Inhaltsübersicht
  1. Für welche Kinder ist der Lesebaum geeignet?
  2. Für welche Einsatzbereiche und Gruppengröße ist das Programm gedacht?
  3. Die erste Besonderheit des Lesebaums: Lesen lernen durch Bücherlesen
  4. Die zweite Besonderheit des Lesebaums: Individuelle Förderung durch die Arbeit in kleinen Lesegruppen
  5. Jedes Kind lernt in seinem individuellen Tempo und kommt systematisch voran
  6. Die "Ausführliche Geschichte" hören
  7. Unterschiedliches Lerntempo auch mit "Ausführlicher Geschichte"
  8. Beispiel einer Unterrichtswoche mit dem Lesebaum
  9. Was wird benötigt?

 

1. Für welche Kinder ist der Lesebaum geeignet?

Die Lesebaum-Bücher sind für alle Kinder geeignet, die gerade lesen lernen oder vor Kurzem lesen gelernt haben: Kinder an Grundschulen und Kinder an Sonder- bzw. Förderschulen, hochbegabte Kinder und langsame Lerner, Kinder mit deutscher Muttersprache und Kinder, die Deutsch als Zweitsprache lernen, sprachgewandte Schüler/innen und solche mit sprachlichen Defiziten.
Sie alle werden von den Lesebaum-Büchern profitieren, da sich die Materialien flexibel an unterschiedliches Können und unterschiedliches Lerntempo anpassen lassen.

 

2. Für welche Einsatzbereiche und Gruppengröße ist das Programm gedacht?

Das englischsprachige Original wurde für den Leseunterricht in der „Primary School“ entwickelt. Dort wird es in normalen Klassen mit bis zu 30 Kindern eingesetzt.
Entsprechend bietet sich auch das deutsche Lesebaum-Programm für den Schulunterricht in der Primarstufe an. Doch auch außerhalb der Schule ist der Lesebaum gut zu verwenden.

  • Differenzierter Leseunterricht in der Klasse: Der Lesebaum kann den Kern des Leseunterrichts Ihrer Klasse bilden und ermöglicht es Ihnen dabei, differenziert auf die unterschiedlichen Bedürfnisse Ihrer Schüler/innen einzugehen. Er passt besonders gut zu offenen Unterrichtsformen, da seine Bestandteile nach dem Baukasten-Prinzip ganz flexibel eingesetzt werden können, z.B. im Rahmen eines Wochenplans.
  • Individuelle Förderung beim Lesenlernen: Sie können die Lesebaum-Bücher und Arbeitshefte auch zusätzlich zu Ihren gewohnten Lehrmaterialien einsetzen, um die Schüler beim Lesenlernen individuell zu fördern. Der systematische Aufbau des Lesebaums macht es ganz einfach, für jedes Kind das passende Material zu finden.
  • Lesekiste: Auch in der Lesekiste oder der Klassenbücherei werden die Lesebaum-Bücher gute Dienste tun, da sie für jedes Stadium des Lesenlernens passendes Lesefutter bieten.
  • Förderunterricht in Kleingruppen: Sehr gut eignet sich der Lesebaum auch für allgemeinen Deutsch-Förderunterricht sowie für speziellen Förderunterricht für Deutsch als Zweitsprache. (Mehr unter Leseförderunterricht)
  • Einzelunterricht: Auch einzelne Kinder können systematisch mit den Lesebaum-Materialien unterrichtet werden, z.B. im Rahmen der Leseförderung durch Lesementoren, im Unterricht für Deutsch als Zweitsprache oder um den muttersprachlichen Unterricht deutscher Kinder zu sichern, die eine anderssprachige Schule im Ausland besuchen.

Auch außerhalb der Schule gibt es für den Lesebaum eine Reihe von Einsatzmöglichkeiten:

  • Öffentliche Bibliotheken: Lesebaum-Bücher sind Bücher, die Leseanfänger selbst lesen können und die für jedes Stadium des Lesenlernens und Lesenkönnens geeignetes Lesefutter bieten.
    Sie sind für die Zusammenarbeit mit örtlichen Schulen, für Leseförderungs-Aktivitäten der Bibliothek oder einfach zum Ausleihen in der Kinderabteilung geeignet.
  • Lesen zu Hause: Mit den Lesebaum-Büchern können Kinder beim Schmökern zu Hause ihre Lesefertigkeiten üben, ohne dies als Übungsaufgabe zu empfinden. (Mehr zum Lesen zu Hause)
  • Familien-Deutschkurse: Wenn die Lesebaum-Bücher in Deutschkursen für Familien oder Mutter-Kind-Kursen verwendet werden, ergibt sich gleich ein doppelter Nutzen: Kinder lernen Deutsch und Eltern lernen, wie sie ihre Kinder dabei unterstützen können. Und vielleicht profitieren auch die Sprachkenntnisse der Erwachsnen noch...

 

3. Die erste Besonderheit des Lesebaums: Lesen lernen durch Bücherlesen

Mit dem Lesebaum lernen Kinder lesen, indem sie von Anfang an komplette Bücher lesen. Diese Bücher sind speziell für den Zweck des Lesenlernens entwickelt worden und ermöglichen Kindern Schritt für Schritt Erfolg beim Lesenlernen.
Gleich nachdem die Kinder die Buchstaben gelernt haben - oder auch parallel dazu - bekommen sie die ersten Lesebaum-Bücher zu lesen und arbeiten dann einfach in der vorgegebenen Reihenfolge weiter. Die übersichtliche Gliederung des Lesebaum-Programms und die Kennfarben der einzelnen Ebenen machen die Orientierung leicht.

  • Lesebaum-Bücher sind attraktiv für Kinder. Die Bilder, die netten Geschichten und die liebenswerten Hauptfiguren locken sie dazu, ein Buch zu lesen. Je mehr die jungen Leser/innen mit den Lesebaum-Hauptfiguren vertraut werden, um so mehr möchten sie über deren neue Erlebnisse erfahren. Die Bücher wirken ein wenig wie eine Fernsehserie...
    Die Bücher motivieren Kinder zum Weiterlesen. Da die Geschichten interessant und humorvoll erzählt sind mit einem Spannungsbogen bis zum oft überraschenden oder lustigen Schluss, möchten die Kinder ihr Buch auch zu Ende lesen. Und sie machen Lust, dasselbe Buch noch einmal zu lesen. Dazu tragen auch die witzige Details bei, die es oft in den Bildern zu entdecken gibt oder die Textelemente innerhalb der Bilder wie Schilder oder Etiketten, die zusätzliche Leseherausforderungen darstellen.

  • Lesebaum-Bücher vermitteln schrittweise Lesesicherheit. Bestimmte Wörter und Wendungen werden sowohl innerhalb eines Buches mehrfach wiederholt als auch in weiteren Büchern wieder aufgenommen. Da die Wiederholungen aber immer wieder in neuen Erzählzusammenhängen stehen, werden die betreffenden Wörter geübt, ohne dass die Leser die Wiederholungen als eintönig empfinden. Im Gegenteil: Das Wiederauftauchen bekannter Wörter oder Variationen bekannter Sätze gibt den Leseanfängern das Gefühl, sozusagen Grund unter den Füßen zu haben. Und es bewirkt, dass die Kinder über eine immer größere Anzahl von Wörtern verfügen, die sie auf den ersten Blick erkennen.

  • Sie ermöglichen von Anfang an Erfolgserlebnisse. Jedes Buch enthält nur so viel Text, dass es auf einen Zug gelesen werden kann. So bleibt die Leseaufgabe überschaubar und das Buch ist zu Ende, bevor das Interesse und die Konzentrationsfähigkeit des Kindes erlahmt. Dadurch erleben bereits Leseanfänger den Erfolg, ganze Bücher bewältigen zu können.

  • Der Lesebaum fördert bedeutungsorientiertes, sinnverstehendes Lesen.
    Die Bücher enthalten sinnvollen Text mit klarer Bedeutung. Diese erschließt sich sowohl durch das Textganze der Geschichte als auch durch den engen Bezug zwischen Bildern und Text. Besonders zu Beginn des Lesenlernens werden die Kinder ausdrücklich ermuntert, diese Hilfen in Anspruch zu nehmen.
    Im Laufe des Lernprozesses und beim Vorankommen innerhalb des Lesebaum-Programms verlagert sich das Lesen mehr und mehr auf den Text.

  • Nebenbei bietet der Lesebaum in den normalen Unterricht integrierte Sprachförderung.
    Sowohl durch die Bücher als auch durch begleitende Übungen, die auch vielfältige Gesprächsanlässe bieten, wird der Wortschatz erweitert und werden Sprachmuster eingeübt.
  • Insgesamt bewirkt diese Art lesen zu lernen, dass die Kinder gute Chancen haben, Bücherleser zu werden.
    Das Lesebaum-Programm vermittelt den Kindern, dass Lesen Spaß macht, es gewöhnt sie an das Lesen von Büchern, vermittelt nebenbei bücherbezogenes Wissen, und es macht die Kinder mit der typischen Buch- und Zeitungssprache vertraut, indem es in den Texten konsequent die einfache Vergangenheit (Präteritum) verwendet.

 

4. Die zweite Besonderheit des Lesebaums: Individuelle Förderung durch die Arbeit in kleinen Lesegruppen

 

Das Lesebaum-Programm erlaubt differenzierte und individuelle Förderung.
Es hilft Ihnen dabei, heterogene Klassen gut zu unterrichten, denn mit dem Lesebaum können Sie alle Kinder - die begabten Überflieger ebenso wie Kinder mit Lernschwierigkeiten - in ihrem eigenen Tempo lernen lassen, ohne dass die anderen Kinder dadurch Nachteile haben. 

  • Differenzierte und individuelle Förderung beim Lesenlernen wird durch die Bildung von homogenen Lesegruppen ermöglicht.
    Ein Kind individuell zu fördern, bedeutet ja, es dort abzuholen, wo es steht und ihm zu helfen, seine Fähigkeiten möglichst gut zu entfalten. Kein Kind darf überfordert werden, keines darf aufgegeben werden,  kein Kind darf unterfordert oder gar in seiner Entwicklung gebremst werden. Normalerweise denkt man, so etwas sei nur möglich, wenn jedes Kind einzeln unterrichtet wird. Doch es geht auch anders. Besonders in den angelsächsischen Ländern gibt es eine lange Tradition von "indvidualized teaching", nicht nur in der Theorie, sondern als selbstverständliche Praxis in den Schulen. Der ,Trick' dabei ist, die heterogene Klasse in kleine homogene Arbeitsgrüppchen, d.h. hier in Lesegruppen, zu gliedern.
  • Die Mitglieder einer Lesegruppe müssen also hinsichtlich ihres Leistungsstandes und hinsichtlich ihres Lerntempos möglichst gut zusammenpassen. Faktoren wie Temperament, Arbeitsverhalten und persönliche Beziehungen zwischen denn Kindern können zusätzlich eine Rolle spielen.
  • In der Praxis bewährt hat sich eine Gruppengröße von 2-4 Kindern, je nach Arbeitstempo der Gruppenmitglieder und nach ihrer Konzentrationsfähigkeit. In einer Klasse mit 25 Schüler/innen werden etwa 8 Gruppen zustande kommen. Die Gruppen befinden sich auf drei bis vier unterschiedlichen Leistungsniveaus, d.h. auf einem Niveau kann es durchaus mehrere Gruppen geben.
  • Die homogene Zusammensetzung in den Lesegruppen hat für alle Kinder große Vorteile: Gute Leser können in ihrem schnelleren Tempo arbeiten, schwächere Leser haben mehr Zeit und werden nicht dadurch entmutigt, dass sie sich immer als schlechter erleben oder dass bessere Schüler ihre Ungeduld zeigen.
    Alle Kinder profitieren von der ruhigen und konzentrierten Arbeitssituation und dem individuellen Kontakt zur Lehrerin oder dem Lehrer. Umgekehrt lernt man als Lehrkraft die einzelnen Kinder und ihre Leistungsstärken und -schwächen durch den regelmäßigen Kontakt in den kleinen Gruppen sehr gut kennen und kann sie auf dieser Grundlage leichter angemessen fördern.

Lehrerin

 

5. Jedes Kind lernt in seinem individuellen Tempo und kommt systematisch voran

Sobald Sie die Schülerinnen und Schüler Ihrer Klasse zu Lesegruppen zusammengefasst haben,  kann die Arbeit mit dem Lesebaum beginnen.
Tipp: Wenn die Möglichkeit besteht, dass Sie eine oder zwei Stunden pro Woche von einem Lesehelfer unterstützt werden, wäre dies vorteilhaft. Entweder könnten Sie beide parallel mit verschiedenen Lesegruppen arbeiten und so Zeit sparen oder der Lesehelfer liest mit einer Gruppe nach der anderen, während Sie mit der Klasse arbeiten.
Finden Sie zunächst heraus, welche Leseebene den Lesefertigkeiten der einzelnen Gruppen entspricht. Die Übersichtstabelle hilft Ihnen dabei.

Lesen mit der Lesegruppe:

  • Wählen Sie das erste Buch aus der ersten Buchreihe der geeigneten Leseebene aus und geben Sie jedem Kind ein Exemplar.
  • Lesen Sie den Kindern den Titel des Buches vor und sprechen Sie mit ihnen kurz über das Titelbild.
  • Lassen Sie die Kinder ihre Bücher in Ruhe durchsehen.
  • Lesen Sie das Buch vor. Dabei sollen die Kinder auch die jeweiligen Seiten aufschlagen.
    Wenn die Kinder schon etwas sicherer lesen, kann es auch sein, dass sie versuchen möchten, den Text gleich selbst zu lesen. Auch das ist natürlich o.k. - probieren Sie es einfach aus!
  • Reihum liest jedes Kind eine Doppelseite vor, bis das Buch zu Ende ist.
    • Beim Vorlesen, insbesondere von Büchern der Ebenen 1 und 1+, dürfen und sollen die Kinder alle zur Verfügung stehenden Hilfsmittel nützen, um den Text herauszubekommen: ihre Erinnerung an die vorgelesene Geschichte, den Gesamtzusammenhang der Geschichte und die Bilder. Es geht bei den ersten Buchreihen zuallererst darum, die Kinder mit Büchern vertraut zu machen, ihr Interesse zu wecken und sie erleben zu lassen, dass Bücherlesen Spaß macht.
      Keine Sorge, diese Hilfsmittel werden nach und nach immer weniger benötigt! Beim Fortschreiten von einer Leseebene zur nächsten verlagert sich das Lesen immer mehr auf den Text und auf das Zusammenkombinieren von Buchstaben.
    • Bestätigen Sie richtig Gelesenes und helfen Sie bei Bedarf weiter, indem Sie z.B. auf einen Teil des Bildes zeigen oder den Anfang des betreffenden Wortes nennen.
      Freuen Sie sich mit dem Kind, wenn es seinen Teil geschafft hat und loben Sie gelegentlich seine Fortschritte.
    • Korrigieren Sie, wenn nötig, die Aussprache und lassen Sie das Kind den betreffenden Satz nachsprechen.
  • Anschließend sollte jedes Kind Gelegenheit haben, noch einmal das ganze Buch vorzulesen.
    Dazu kann entweder eine zweite Leserunde in der Gruppe durchgeführt werden oder die Kinder bekommen ihre Bücher mit nach Hause, um sie dort einem Erwachsenen vorzulesen.

Tipp: Notieren Sie sich nach der Stunde, welches Kind welches Buch gelesen hat und ggf. ihre Anmerkungen. In den "Unterrichtstipps" gibt es dazu eine Kopiervorlage.

In der nächsten Lesestunde wird das nächste Buch der betreffenden Buchreihe gelesen. Wenn sich zeigt, dass ein Kind in seiner Lesegruppe über- oder unterfordert ist, teilen Sie es einfach einer besser passenden Gruppe zu.
Wenn ein Kind etwa durch Krankheit eine längere Zeit Unterricht versäumt hat, kann es nach seiner Rückkehr einfach an der Stelle des Lesebaums weiterlesen, an der es sich zuletzt befand, sei es in einer passenden Lesegruppe oder auch alleine.

 

6. Die "Ausführliche Geschichte" hören

Um die Kinder darauf vorzubereiten, ein Buch selbst zu lesen, kann man ihnen, statt dieses Buch vorzulesen auch die "Ausführliche Geschichte" des betreffenden Buchs vorlesen, die in den "Unterrichtstipps" zu finden ist.

Eine "Ausführliche Geschichte" ist die ausführliche Fassung eines Lesebaum-Buchs zum Vorlesen; zu jedem Buch der Leseebenen 1 bis 4 gibt es eine solche ausführliche Version. Durch das Hören der Vorlesegeschichte werden die Kinder auf das eigene Lesen des betreffenden Buchs vorbereitet. Außerdem bereichert es die Sprache insbesondere derjenigen Kinder, denen in der Familie nicht bzw. nicht auf Deutsch vorgelesen wird und hilft ihnen, mit der Schriftsprache bekannt zu werden.
In die "Ausführliche Geschichte" ist der Text des jeweiligen Lesebaum-Buches in genau derselben Formulierung eingearbeitet und durch Fettdruck hervorgehoben. So können Sie beim Vorlesen auch auf den Text des Buchs verweisen. Zusätzlich zum Vorlesetext enthalten die Geschichten zu jeder Seite bzw. Doppelseite einige Fragen, die den Kindern helfen, die Geschichte zu verstehen und die zum Gespräch anregen.

Wie das Kinderbuch und die "Ausführliche Geschichte" aufeinander bezogen sind, können Sie selbst sehen, wenn Sie die Leseprobe "Ausführliche Geschichte" anklicken.

Während Sie die "Ausführliche Geschichte" vorlesen, sollten die Kinder die Buchseite des betreffenden Kinderbuchs sehen können. Dann wirken Sehen und Hören zusammen, und Gespräche über die abgebildete Situation sind möglich.
Möglichkeiten:

  • Jedes Kind hat ein Exemplar des betreffenden Kinderbuchs zur Verfügung. Dies setzt voraus, dass die Bücher in ausreichender Anzahl vorhanden sind.
  • Sie halten beim Vorlesen der "Ausführlichen Geschichte" auch das Kinderbuch in der Hand, um bei jedem Abschnitt die betreffenden Seiten aus dem Kinderbuch zeigen zu können. Voraussetzung: kleine Gruppe.
  • Sie zeigen die betreffenden Seiten per Overhead-Projektion. In diesem Fall kann der ganzen Klasse vorgelesen werden. Zu den Buchreihen "Erste Wörter" und "Erste Sätze" werden wir in Kürze auch Overhead-Projektionsfolien anbieten.

 

 

7. Unterschiedliches Lerntempo auch mit "Ausführlicher Geschichte"

Wenn man die "Ausführliche Geschichte" allen Kindern der Klasse zugleich vorliest, stellt sich die Frage, ob dann überhaupt Differenzierung möglich ist.
Auch wenn man aus Zeitgründen die "Ausführliche Geschichte" allen Kindern der Klasse zugleich vorliest, schließt dies die Differenzierung in kleine Lesegruppen nicht aus. Und selbst wenn eine Zeitlang alle Gruppen mit demselben Buchtitel arbeiten, ist das Lesen in den kleinen Lesegruppen sehr förderlich für das Lernen.

Doch nach und nach kann man auch dazu übergehen, Gruppen, deren Mitglieder schon besonders gut lesen können, "vorpreschen" zu lassen. Diese Kinder können die Bücher und Materialien in kürzerer Zeit durcharbeiten, indem sie etwa eines der Bücher einer Reihe in der Schule lesen und das Nächste zu Hause. Das Vorpreschen führt dann dazu, dass am Lesegruppen-Tag die betreffenden Gruppen nicht das Buch lesen, zu dem die Klasse zuvor die "Ausführliche Geschichte" gehört hat, sondern ein Buch einer höheren Ebene.
Alle Kinder lesen also alle Bücher der einzelnen Buchreihen und Leseebenen, doch schreiten sie in unterschiedlichem Tempo voran. Auf diese Weise kann man dafür sorgen, dass tatsächlich alle Kinder gut lesen lernen und ihr Können weiterentwickeln und dass keines auf diesem Weg verloren geht, und so kann man auch  sicherstellen, dass gute Lerner angemessen gefördert und nicht durch Unterforderung frustriert werden.

 

 

8. Beispiel einer Unterrichtswoche mit dem Lesebaum

Bevor die Bücher und Begleitmaterialien des Lesebaums gedruckt wurden, wurden sie zu Erprobungszwecken in zwei Parallelklassen der Fridtjof-Nansen-Grundschule in Hannover im Deutschunterricht verwendet. Dabei ging es weniger um den Nachweis der Qualität des Programms, da sich dieses längst auf breiter Basis bewährt hat, sondern um die unterrichtspraktische Frage, wie man mit dem Lesebaum unter den Rahmenbedingungen einer deutschen Grundschule arbeiten kann.

In der Erprobungsphase wurden die Lesebaum-Materialien im Rahmen von offenem Unterricht eingesetzt; für den Deutschunterricht standen pro Woche insgesamt 6 Schulstunden zur Verfügung. In den beiden Klassen hat sich mit der Zeit ein bestimmtes Muster des Unterrichtens mit dem Lesebaum eingespielt, das als Orientierungshilfe für Neueinsteiger dienen kann. Je nach den Lernerfordernissen und den Rahmenbedingungen einer Klasse lässt sich der wöchentliche Ablauf natürlich auch anders gestalten.

  • Erster Tag: Die ganze Klasse bekommt die Ausführliche Geschichte zu einem der Lesebaum-Bücher vorgelesen.Dabei zeigt die Lehrerin oder der Lehrer der Klasse die jeweiligen Seiten des zugehörigen Buchs, um die Bilder mit einbeziehen zu können. Das Vorlesen und Besprechen dauert ca. 30 Minuten.
  • Zweiter Tag: An einem der folgenden Tage ist Lesegruppen-Tag und die Kinder lesen das betreffende Buch nun selbst. Die Gruppen kommen in der Leseecke oder an einem Vierertisch zusammen. Jedes Kind hat ein Exemplar des Buchs vor sich. Reihum lesen die Kinder eine Seite oder eine Doppelseite daraus vor. Danach darf jedes Kind noch das ganze Buch vorlesen. Bei den Büchern der Ebenen 1 bis 3 liest jedes Kind anschließend noch einmal den kompletten Text vor. Etwa ab der Leseebene 4 muss nicht mehr vorgelesen werden, sondern die Bücher werden in der Gruppe von jedem Kind für sich gelesen und anschließend mit der Lehrkraft und den anderen Gruppenmitgliedern besprochen.
    Die Lehrerin oder der Lehrer arbeitet reihum mit je einer Gruppe, jeweils 10-15 Minuten. Die anderen Kinder der Klasse sind entweder in ihren Lesegruppen oder einzeln mit anderen Aufgaben beschäftigt.
    Wenn die Lehrkraft alleine mit der Klasse liest, empfiehlt es sich, mit der Hälfte der Gruppen am folgenden Tag zu lesen. Sie benötigt dann jeweils ca. 45 Minuten. Wenn ein Lesehelfer die Lehrkraft unterstützen kann, werden in etwa 45 Minuten alle Lesegruppen lesen können.
  • Dritter Tag: Einige der in den "Unterrichtstipps" vorgeschlagenen Aktivitäten werden durchgeführt, ganz nach Bedarf und je nach den Rahmenbedingungen entweder in den Lesegruppen, mit der ganzen Klasse oder in Einzelarbeit.
    Zu jedem Buch gibt es Vorschläge für vertiefende Aktivitäten zum Lesen, zum Sprechen und Zuhören und zum Schreiben.

Lesen zu Hause: An jedem Freitag nehmen die Kinder der beiden Erprobungsklassen eines der bereits gelesenen Lesebaum-Bücher mit nach Hause, das sie selbst aussuchen dürfen. Nach Möglichkeit sollen sie das Buch zu Hause einem Erwachsenen vorlesen.

Natürlich könnte man den Kindern auch am Lesegruppentag die betreffenden Bücher nach Hause mitgeben, dies setzt jedoch voraus, dass die Bücher in größerer Zahl vorhanden sind oder dass die einzelnen Gruppen unterschiedliche Bücher lesen.

Je nachdem, wie gut man die Eltern der Kinder in das Lesen einbeziehen kann, wäre es auch denkbar, ein Lesebegleitheft zu führen, in das einerseits die Lehrkraft einträgt, welches Buch zu lesen ist sowie ggf. zusätzliche  Informationen und in dem die Eltern ihrerseits vermerken, dass das Kind ihnen das Buch vorgelesen hat, ob es das Buch mehrmals gelesen hat, ob es ein Problem gab usw.

 

 

9. Was wird benötigt?

Sie benötigen die Bücher jeder Buchreihe in ausreichender Anzahl. Beim Lesen in der Lesegruppe sollte jedes Kind ein Buch zur Verfügung haben, ebenso, wenn in den Gruppen vertiefende Übungen aus den Unterrichtstipps durchgeführt werden.
Das bedeutete, dass Sie auch für eine Klasse mit 25 Kindern mit drei bis vier Exemplaren pro Buch, d.h. pro Buchreihe auskommen.
Die Bücher bleiben im Besitz der Schule und stehen dann auch weiteren Jahrgängen zur Verfügung. (zu den Leseproben; zu den Buchreihen im Shop)

Wir empfehlen Ihnen außerdem, in jeder Klasse ein Exemplar der Unterrichtstipps zu jeder Buchreihe anzuschaffen. Dort finden Sie zu jedem Buch der Reihe die betreffende „Ausführliche Geschichte“ zum Vorlesen, methodische Tipps und viele ganz konkrete Arbeitsvorschläge für die vertiefende Unterrichtsarbeit, gegliedert nach den Bereichen „Lesen“, „Sprechen und Zuhören“ und „Schreiben“, sowie im Anhang allerlei Materialien zur Arbeitserleichterung. (zu den Leseproben; zu den Unterrichtstipps im Shop)

Die Arbeitshefte, die zu der jeweils ersten Buchreihe der Ebenen 1 bis 5 zur Verfügung stehen, trainieren auf den ersten beiden Ebenen Fertigkeiten, die zum Lesen gebraucht werden (z.B. Reihenfolge verstehen), ab Ebene 2 enthalten sie vertiefende Leseaufgaben. Sie sind sehr praktisch, weil die Kinder selbständig damit arbeiten können, etwa in der Zeit, in der die Lehrkraft mit einer der Lesegruppen arbeitet - und sie sind bei den Kindern sehr beliebt. (zu den Leseproben; zu den Arbeitsheften im Shop)

Alle Materialien, die Sie für den differenzierten Unterricht mit dem Lesebaum in einer Klasse von 25 oder mehr Kindern brauchen, haben wir für Sie in zwei Komplett-Paketen zusammengestellt. So können Sie Ihre Grundausstattung einfach und schnell bestellen.
Wählen Sie das Klassenpaket 1. Lesejahr oder das Klassenpaket 2. Lesejahr.

Dr. Ursula Rothenhöfer
2013

Überarbeitete Fassung von „Unterrichten mit dem Lesebaum", Mai 2007


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