Lesen lernen Leseförderung

Beratung: 0511-64 054 979

Lesen lernen.
Lesen lieben lernen.

  Startseite » Autor und Illustrator » Interview mit Roderick Hunt   Ihr Konto  |  Warenkorb  |  Kasse   

Interview mit Roderick Hunt

 

Wie kamen Sie ganz am Anfang zum Oxford Reading Tree?
Mein Sohn tat sich schwer damit lesen zu lernen, und das hing stark damit zusammen, dass die Bücher, mit denen er lesen lernen sollte, stumpfsinnig und langweilig waren. Ein Buch allerdings interessierte und begeisterte ihn wirklich – und mit diesem Buch fiel ihm das Lesen viel leichter.
Das machte mir deutlich, dass Kinder motiviert und begeistert sein müssen, wenn sie erfolgreiche Leser werden sollen, und es führte dazu, dass ich darüber nachdachte, ein neuartiges Leseprogramm zu schreiben, das zum Ziel hatte, Kinder zum Lesen zu locken.
Eine zufällige Bemerkung, die ich einem Redakteur von Oxford University Press gegenüber machte, brachte uns beide ins Gespräch darüber, ein neues Leseprogramm, den Oxford Reading Tree, zu entwickeln. Meine Vorstellung war ein Leseprogramm, das aus spannenden, aber kurzen Geschichten bestehen sollte, die die Kinder auf einmal lesen konnten. Dadurch bliebe ihr Interesse erhalten und Erfolgserlebnisse wären leichter möglich.

Was war am Anfang Ihre Aufgabe?
Ich sollte spannende und motivierende Bücher entwickeln, mit denen Kinder lesen lernen konnten. Wichtig war, dass sie ‚kindzentriert’ waren und ihr Schwergewicht auf den Geschichten statt auf Wörtern lag. Dies ermöglicht einem Kind, die Geschichten durch Vorausahnen und Interaktion mit den Hauptfiguren gewissermaßen selbst zu erschaffen.
Die Idee, die ich schließlich entwickelte und die zur Grundlage des Oxford Reading Tree wurde, waren Geschichten, die Themen und Ereignisse aus dem alltäglichen Leben von Kindern aufgriffen und so die eigenen Erfahrungen der Kinder ins Spiel brachten.

Hätten Sie sich zu Beginn vorstellen können, dass die Sache einmal so erfolgreich sein würde?
Keiner von uns konnte sich das vorstellen! Ich hatte mir einfach nur vorgenommen, das beste Leseprogramm zu entwickeln, das ich schaffen konnte, und so vielen Kindern wie möglich dabei zu helfen, lesen zu lernen.

Woher kamen die Hauptfiguren?

Nun, von Anfang an war ich mir sicher, dass der Oxford Reading Tree sich auf eine Familie und ihre Freunde konzentrieren musste. Mir wurde davon abgeraten, aber ich wollte sozusagen eine Fortsetzungsgeschichte wie in einer Fernsehserie erschaffen, in der man mit allen Hauptfiguren wirklich vertraut werden konnte.
Ich war auch überzeugt, dass Zwillinge als Hauptfiguren den Vorteil hätten, dass in den Geschichten Gleichheit im Sinne von Gleichberechtigung gesichert wäre. In älteren Leseprogrammen, z.B. Peter und Jane, ist es meistens der Junge, der das Geschehen beherrscht, und das wollten wir im Oxford Reading Tree vermeiden.

Was die Namen betrifft, so kam ich auf Biff, Chip und Kipper, weil dies im Grunde klassenlose Namen sind, die keinen Bezug zu einer bestimmten Region oder sozialer Position haben. Und was noch wichtiger ist: es gibt nur sehr wenige Kinder, die Biff, Chip oder Kipper heißen – ich glaube, es wäre wirklich lästig für ein Kind, wenn es ständig seinen eigenen Namen in Geschichten lesen würde.

Unter praktischen Gesichtspunkten ist es für einen Autor viel leichter, mit einer Familie von fünf Personen und einem Hund umzugehen als über viele nicht miteinander verbundene Personen Geschichten zu schreiben. 

Wann kam Ihnen die Idee mit dem Zauberschlüssel? Was bedeutet der Zauberschlüssel für den Oxford Reading Tree?

Die Idee mit dem Zauberschlüssel hatte ich gleich am Anfang. Mir war klar, dass eine ‚normale’ Familie in einem ‚normalen’ Haus nicht  ständig neue spannende Geschichten liefern könnte. Deshalb brauchte ich einen Weg, wie ein Fantasie-Element eingebaut werden konnte.

Der Zauberschlüssel ist ein Medium, das die Kinder aufregende Abenteuer erleben lässt und sie zugleich beschützt. Sie kehren immer heil und unversehrt von ihren Abenteuern zurück.Der Zauberschlüssel soll außerdem auch die Fantasie repräsentieren, d.h. dass die Abenteuer  in der Fantasie stattfinden und nicht in der Wirklichkeit. Das ermöglicht Kindern, den Zauberschlüssel als Ausgangspunkt dafür zu nehmen, selbst abenteuerliche Geschichten zu schreiben.

Kann der Oxford Reading Tree noch wachsen? Haben Sie noch Ideen für neue Abenteuer?

Sicher ist da noch Platz für Wachstum! Der Oxford Reading Tree ist ein offenes Programm und ist nicht auf eine einzige Sichtweise begrenzt. Das bedeutet, dass er flexibel ist und in der Lage, unterschiedliche Unterrichtsweisen zu unterstützen.

Die Sprache und der logische Aufbau der Geschichten sind gut für Leseanfänger geeignet und helfen ihnen, mit dem Präteritum zurechtzukommen, mit der Laut-Buchstaben-Beziehung und dem Sinnverstehen, ohne dass ihnen Stolperfallen im Text das Leben schwer machen. 

Was ist Ihrer Meinung nach der Grund dafür, dass der Oxford Reading Tree das beliebteste Leseprogramm Großbritanniens ist? Was hat er, was andere nicht haben?

Zuallererst Humor. Der Humor in den Büchern scheint sich gleichsam von selbst weiterzuentwickeln und ist auf vielen Ebenen wirksam. Üblicherweise entsteht der Humor durch Kleinigkeiten im Text oder in den Zeichnungen, z.B. im Gebrauch des Ausrufs „Oh nein!“ oder im Gesichtsausdruck der Hauptpersonen. Oft bewirkt eine Bedeutungsverschiebung eine humorvolle Wendung, und die Leser können versuchen zu erahnen, wie die Geschichte weitergehen wird – obwohl manchmal gerade das nicht passiert, was man erwartet!

Was glauben Sie, wie sich der Reading Tree in den kommenden Jahren entwickeln wird?

Die wichtigsten Bereiche, in denen er noch wachsen kann, sind das Lernen zu Hause und das Online-Lernen. Ich glaube wirklich, dass diese beiden Bereiche in den kommenden Jahren noch enorm zunehmen werden - und der Reading Tree ist ideal dafür geeignet. Er spricht Eltern an, die Bildung auf zu Hause ausdehnen und ihre Kinder auch dort fördern wollen. Und er macht etwas Wichtiges klar: Um erfolgreich zu sein, muss Lernen Freude machen!


Das Interview wurde uns freundlicherweise von Oxford University Press zur Verfügung gestellt.

Übersetzung freigegeben von OUP, Oktober 2006.

 

 


Copyright © 2008 Lesebaum-Verlag e.K.
Leseförderung AGB,Datenschutz Impressum